Florian Mayer zu Gast in der SPD-Stadtratsfraktion Kriminalitätsstatistik 2024 vorgestellt – SPD-Fraktion diskutiert mit Polizeidirektor Florian Mayer über Sicherheit in Bamberg
Die SPD-Stadtratsfraktion Bamberg hatte kürzlich den leitenden Polizeidirektor Florian Mayer zu Gast in ihrer Fraktionssitzung. Anlass war die Vorstellung der aktuellen Kriminalitätsstatistik 2024 für das Stadtgebiet Bamberg. In einem offenen Austausch wurde deutlich: Auch wenn die Zahl der registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist, bleibt Bamberg weiterhin eine sichere und lebenswerte Stadt mit engagierten Sicherheitsbehörden und einer hohen Aufklärungsquote.
Mehr registrierte Fälle – aber keine Panikmache
Rund 7.000 Straftaten wurden im vergangenen Jahr in Bamberg erfasst – etwa 1.000 mehr als 2023. Dennoch liegt dieser Wert im langfristigen Vergleich keineswegs an der Spitze. Wichtig dabei: Die Statistik bildet ausschließlich das sogenannte "Hellfeld" ab – also nur jene Straftaten, die auch tatsächlich zur Anzeige gebracht und statistisch erfasst wurden. Viele Delikte – etwa aus dem privaten Umfeld – bleiben im Dunkelfeld.
Bamberg mit überdurchschnittlicher Aufklärungsquote
Mit einer Aufklärungsquote von 67 % liegt Bamberg deutlich über dem bayerischen Durchschnitt (64 %). Das zeigt: Die Polizei arbeitet effektiv, auch bei komplexeren oder wiederkehrenden Delikten.
Kriminalitätsschwerpunkte im Stadtgebiet
Als geographische Hotspots wurden die Altstadt mit ihrer lebendigen Kneipenszene, der Bereich rund um den Bahnhof sowie Bamberg-Ost identifiziert. Besonders in Bamberg-Ost sieht Polizeidirektor Mayer Handlungsbedarf – etwa bei der Beleuchtung oder bei baulichen Maßnahmen. Ziel sei es, die Aufenthaltsqualität zu steigern und durch eine attraktivere Gestaltung eine stärkere soziale Durchmischung zu erreichen, die kriminalitätspräventiv wirkt.
Diebstahl: differenzierter Blick notwendig
Der Bereich Diebstahl macht knapp 40 % der Gesamtkriminalität in Bamberg aus – darunter vor allem Ladendiebstähle und Fahrraddiebstähle.
-
Ladendiebstähle finden auf konstant hohem Niveau statt, werden aber dank der aufgerüsteten Sicherheitstechnik im Einzelhandel fast vollständig aufgeklärt (ca. 96 % Aufklärungsquote).
-
Fahrraddiebstähle hingegen konzentrieren sich rund um den Bahnhof. Viele hochwertige Räder werden nur unzureichend gesichert. Hier appelliert die Polizei an die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger. Informationskampagnen sowie die Nutzung von Fahrradpässen sollen helfen, Diebstahl vorzubeugen und die Rückverfolgung zu verbessern.
Sexualdelikte: differenziert betrachten
Bei den Sexualdelikten ist ein Anstieg zu verzeichnen – insbesondere im Bereich der Anzeigezahlen. Das liegt laut Mayer aber nicht an einer Zunahme der tatsächlichen Vorfälle, sondern an einer gesunkenen Hemmschwelle zur Anzeigeerstattung. Mehr Betroffene trauen sich, zur Polizei zu gehen – ein ermutigendes Zeichen dafür, dass das Vertrauen in die Strafverfolgung steigt.
Bemerkenswert ist, dass alle dieser Delikte im sozialen Nahfeld passierten – häufig Beziehungstaten. Ein erheblicher Anteil betrifft außerdem den Besitz und die Verbreitung kinderpornografischer Inhalte, oftmals durch unüberlegtes Weiterleiten in Jugendgruppen und Chats. Auch hier wird deutlich: Prävention und Aufklärung sind unerlässlich.
Das Ankerzentrum: Fakten statt Gerüchte
Ein weiteres Thema war das Ankerzentrum. Während ein Teil der dort lebenden Personen überproportional bei Eigentumsdelikten in Erscheinung tritt, betont die Polizei: Viele kursierende Gerüchte – etwa zu organisierter Kriminalität oder Prostitution – entbehren jeder Grundlage. Die Polizei ist regelmäßig vor Ort, setzt auch auf zivile Kräfte und hat das Zentrum im Blick. Zudem sorgen Zugangskontrollen mit Chipsystemen und Kameras für eine sehr hohe Aufklärungsquote bei Vorfällen innerhalb der Einrichtung.
„Beschleunigte Verfahren“ als Erfolgsmodell
Seit 2022 setzt die Justiz in Bamberg verstärkt auf sogenannte „beschleunigte Verfahren“. Straftaten, insbesondere aus dem Bereich der Eigentumskriminalität, werden innerhalb weniger Tage verhandelt. Über 300 Fälle wurden bereits erfolgreich behandelt – ein deutliches Zeichen dafür, dass Straftaten in Bamberg konsequent verfolgt werden. Das Verfahren bindet zwar Ressourcen, hat sich laut Polizei aber als äußerst wirksam erwiesen.
Betäubungsmittelkriminalität rückläufig
Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität ist ein Rückgang zu verzeichnen – nicht zuletzt durch die jüngsten gesetzlichen Änderungen. Die Polizei konzentriert sich hier auf den Kinder- und Jugendschutz, vor allem im Umfeld von Schulen und Veranstaltungen. Konsumverbotszonen in der Nähe von sensiblen Einrichtungen wie Kitas und Schulen werden weiterhin kontrolliert.
SPD-Fraktion dankt für offene Informationen
„Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Mayer für die sachliche und ausführliche Darstellung. Die Zahlen zeigen, dass Bamberg in vielen Bereichen gut aufgestellt ist – aber es gibt auch klare Handlungsfelder“, so Fraktionsvorsitzender Heinz Kuntke. Stadtrat Sebastian Niedermaier ergänzt: „Besonders die Kombination aus Prävention, gezielten baulichen Maßnahmen und schneller Strafverfolgung ist der richtige Weg. Wir als SPD-Fraktion werden diese Punkte aufnehmen und in unsere kommunalpolitische Arbeit einfließen lassen.“