MdL Susann Biedefeld berichtet: Situation der Tierheime in Bayern: Mehr Aufgaben, weniger Geld

Veröffentlicht am 25.04.2016 in MdB und MdL

Susann Biedefeld, tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, macht sich bei einer Expertenanhörung im Landtag für den Tierschutz stark

Wie steht es um die bayerischen Tierheime und vor welchen Herausforderungen stehen sie? Welche vor allem auch staatlichen bzw. kommunalen Aufgaben übernehmen unsere bayerischen Tierheime? Welche Rolle spielen die zunehmenden illegalen Welpentransporte? Was sollte die Staatsregierung in Zukunft unternehmen, um diese Probleme zügig in den Griff zu bekommen? Und warum ist eine allgemeine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen aus Privathaushalten in Bayern dringend notwendig und sinnvoll? Darüber und um vieles mehr rund um die Situation der bayerischen Tierheime diskutierten Susann Biedefeld und die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Verbraucherschutz auf Initiative der SPD-Landtagsfraktion im Bayerischen Landtag. Sechs Experten aus der Tierschutzpraxis, aus dem Bayerischen Umweltministerium sowie eine Vertreterin des Bayerischen Gemeindetages wurden von den Abgeordneten befragt und gaben einen äußerst informativen Einblick in die alltägliche Arbeit der bayerischen Tierheime sowie einigen Hürden und Hindernissen, denen sie gegenüber stehen.

Die SPD-Landtagsfraktion hatte Anträge für Expertenanhörungen zu den Themen „Illegale Welpentransporte“, „Finanzsituation der bayerischen Tierheime“ und „Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen“ in den Bayerischen Landtag eingebracht. Die CSU-Mehrheitsfraktion lehnte alle Anträge, wie auch sonst alle parlamentarische Initiativen zur Verbesserung des Tierschutzes in Bayern, ab. Nur durch ein Minderheitenvotum in der Geschäftsordnung des Bayerischen Landtags konnte jetzt die Expertenanhörung, gegen den Willen der CSU-Fraktion, stattfinden.

So berichtete Evelyn Ofensberger von der Akademie Tierschutz des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern über die zunehmende Anzahl von Tieren, die von ihren Besitzern abgegeben werden, weil sie sich aus finanziellen oder sozialen Gründen nicht mehr um die Tiere kümmern könnten. Allein im Jahr 2013 wurden demnach 39 Prozent aller im Tierheim abgegebenen Hunde aus finanziellen Gründen an die Tierheime übergeben. Auch die Anzahl der beschlagnahmten Tiere, die bei Hunden 45 Prozent und bei Katzen 64 Prozent der im Tierheim befindlichen Tierheime ausmachen, ist erheblich hoch. Vor Problemen stehen die Tierheime auch bei Fundkatzen, deren Rückführung sich oftmals aufgrund fehlender Kennzeichnung besonders schwierig gestaltet. Die Kommunen, die als Fundbehörde für die Fundtieren rechtlich verantwortlich sind, tragen jedoch durchschnittlich nur 25 Prozent der Kosten, die bei der Unterbringung der Fundtiere anfallen.

Dies bestätigte auch Sabina Gaßner, Geschäftsführerin des Tierheims in Augsburg. Sie beklagte, dass die Tierheime von den Kommunen und der Bayerischen Staatsregierung zunehmend alleine gelassen werden. Oftmals können sie selbst die Kosten für beschlagnahmte Tiere, für die eigentlich die Veterinäramter und damit die Landkreise verantwortlich sind, nicht mehr eintreiben. Ihre Kollegin Tessy Lödermann, Leiterin des Tierheims Garmisch-Partenkirchen, betonte, wie wichtig auch eine finanzielle Unterstützung des Freistaates Bayern wäre. „Während der Bauernverband im Jahr 2015 2,75 Millionen Euro erhielt und der Jagdverband 835.000 Euro, wurden an den Deutschen Tierschutzbund, Landesverband Bayern, lediglich 331.000 Euro für die Reptilienauffangstation in München ausgereicht. Dies zeigt sonnenklar, dass der Tierschutz in Bayern ein absolutes Schattendasein fristet", betont auch Susann Biedefeld, tierschutzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. „In Sachen Unterstützung des Tierschutzes ist Bayern keinesfalls Spitzenklasse. Andere Bundesländer wie Mecklenburg-Vorpommern, das im aktuellen Haushalt rund 1,5 Millionen Euro für den Bau und die Sanierung von Tierheime sowie 40.000 Euro an Zuschüssen für die Kastrationen von Katzen bereitstellt, sind uns da bei weitem voraus. Auch wir als SPD-Landtagsfraktion fordern schon seit langem staatliche Investitionskostenzuschüsse und eine Unterstützung bei der Kastration freilebender Katzen.“

Andreas Brucker, Geschäftsstellenleiter des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern, unterstützt diese Forderung. Er betonte, dass wie im Fall der vor Weihnachten aufgegriffenen Welpentransporte, der Staat den Tierschutzbund bzw. die Tierheime mit Aufgaben betreut, die Frage nach der Erstattung der Kosten aber lange ungeklärt bleibt. Frau Dr. Marschner aus dem Bayerischen Umweltministerium hob hervor, wie schwierig es gerade bei illegalen Transporten aus dem Ausland sei, die kriminellen Eigentümer finanziell zu belangen. Ein Grund hierfür sei auch, dass in den Ursprungsländer oftmals nur wenig Interesse an der Aufarbeitung der Fälle bestünde.

Alle Experten waren sich darüber einig, dass dringender Handlungsbedarf besteht und ein gemeinsamer Weg gegangen werden muss. Aus Tierschutzkreisen wurde vom Freistaat Bayern vor allem ein Not- und Bauhilfefonds gefordert. „Wir müssen dem Tierschutz endlich auch von staatlicher Seite die Wertschätzung zukommen lassen, die er verdient. Tierschützer in ganz Bayern haben daher viel Hoffnung in diese Anhörung gesteckt. Wir dürfen diese Hoffnung nun nicht enttäuschen, sondern den vielen Worten und Versprechen müssen nun auch Taten folgen. Ich werde auch weiterhin dafür kämpfen, dass der Tierschutz von staatlicher Seite endlich die Unterstützung bekommt, die verdient“, betont Susann Biedefeld.

 

Unser Bild zeigt v.l.: MdL Harry Scheuenstuhl, MdL Florian von Brunn, MdL Herbert Woerlein, Sabina Gaßner (Geschäftsführerin des Augsburger Tierheims), Andreas Brucker (Geschäftsstellenleiter des Deutschen Tierschutzbundes, Landesverband Bayern aus Oberfranken), MdL Susann Biedefeld, Tessy Lödermann (Leiterin des Tierheims in Garmisch-Partenkirchen), Evelyn Ofensberger (Akademie Tierschutz, Deutscher Tierschutzbund, Landesverband Bayern).

 

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